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Minimalismus Challenge // #3 Einmischen pt. 1

Mittlerweile ist das neue Jahr & Jahrzehnt schon nicht mehr taufrisch, kein 2019 mogelt sich aus Versehen in unsere E-Mails, und die dritte Kalenderwoche liegt vor uns.

Ganz oft schrieben mir Menschen: 2020 wird großartig! Und das glaube ich auch. Aber unabhängig von Zeit und Datum gibt es leider Dinge, die unser Leben eintrüben.

In mein 2020 mischte sich der erste traurige Moment als ich die Nachricht erhielt, dass meine Tante für immer eingeschlafen ist. Ein solcher Moment hat so viele Dimensionen, dass ich dem an dieser Stelle mit Worten nicht weiter nachgehen möchte.

Gerade in schweren Zeiten ist es hilfreich, nicht nur die Wohnung zu entrümpeln, sondern auch die Psyche. Denn nur so legen wir den Weg zu unseren Ressourcen frei, die uns helfen, schwierige Situationen und Phasen zu überstehen.

Die Minimalismus Challenge gibt dir daher in den nächsten beiden Wochen einen wichtigen Impuls für das Ausmisten in Kopf und Seele, das ohne Zweifel nicht die einfachste Übung für uns Menschen ist.

 

Zur Ergänzung des Textes. Person sitzt auf Steg und schaut auf Bergpanorama

PIN IT! Kopf und Seele freizumachen deckt Ressourcen auf. Photo by Simon Migaj on Unsplash

PIN IT!

Einen Teil meiner Psychohygiene nenne ich seit einiger Zeit Einmisch-Fasten. Abgeleitet von der Fastenzeit, die in diesem Jahr am 26. Februar (nach christlichem Glauben/ Ramadan ab 24. April) beginnt, und in der Enthaltung vorgeschrieben ist, übe ich mich im Enthalten. Das übersetze ich für mich unter anderem auch mit sich nicht einmischen.

 

Minimalismus Challenge #3 – Einmisch-Fasten

Schau dir diese Liste an, überlege, ob und wo du dich wiederfindest – und bitte gern auch ergänzen:

Kämpfe stellvertretend für andere führen. Kämpfe, die gar nicht meine bzw. deine sind. Andere, die erwachsen und in der Lage sind, sich selbst zu helfen

Aufgaben übernehmen (die anderen gehören, die obendrauf kommen, aber eine/einer muss es ja machen, …)

Helfen, unterstützen, beraten (oft, übermäßig) – wo nicht explizit nach Hilfe gerufen/gefragt wurde, Unterstützung gewünscht ist, um Rat gebeten wurde (Helfersyndrom, ungebetene Ratschläge)

Kommentieren, bewerten, in Threads einsteigen, sich in Diskussionen einklinken (oft, übermäßig) (aus Emotionen wie -Beispiele- Ärger/Wut, Hass, Angst, kritisch, misstrauisch, zuvorkommend, Empörung, schuldig, Reue und/oder aus Langeweile)

In dieser und in der nächsten Woche geht es darum, ein minimalistisches Mindset dazu zu entwickeln. Bevor ich dir Tipps gebe: Ich weiß, in dir hat sich gerade etwas geregt. Und deshalb drehe ich das Ganze jetzt zunächst um:

  • Ja, wir müssen manchmal Kämpfe für andere führen. Und manchmal kommt etwas Großartiges dabei heraus. Hier geht es zu einem Beispiel – und ich drücke ich ganz lieb, Anne.
  • Ja, wir müssen uns einbringen und Aufgaben übernehmen.
  • Ja, natürlich sollten wir helfen und unterstützen. Die Welt braucht sogar mehr davon, nicht weniger.
  • Ja, Kommunikation heißt auch bewerten, kommentieren, diskutieren. Wir benötigen den Diskurs, und es ist wichtig, nicht abzustumpfen.

Aber Minimalismus heißt nicht abschaffen. Sondern das Reduzieren zu praktizieren und dem tieferen Sinn einen Wert zu verleihen. Einmischen mit tieferem Sinn und Verstand erfordert wiederum Gespür und einen inneren Kompass:

 

Gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.
— Autor unbekannt

 

Ein Gespür und einen inneren Kompass entwickeln

#1 Kämpfe. Es gibt Menschen, die sich in ihren Kämpfen für andere selbst zerstören. Vor allem wenn diese anderen vor allem für sich selbst kämpfen müssen und dies selbst wollen müssen. Mein Tipp: Wenn du einmal nicht weißt, wie du deinen eigenen Kampf einordnen sollst, dann frage deine Freunde oder Familie. In vielen Situationen haben diese ein besseres Gespür dafür als du. Um etwas kämpfen lässt sich oftmals auch besser im Team als allein.

 

Zur Ergänzung des Textes. Petroleumlampe spendet Licht an einem See im Dunkeln.

PIN IT! Wer den Weg nicht kennt, braucht Orientierung. Photo by Espen Bierud on Unsplash

PIN IT!

#2 Aufgaben übernehmen. Wir alle haben und bekommen Aufgaben. Auch mal stellvertretend. Oder auch Ungeliebtes. An dieser Stelle wäre es doch einfach, zu denken: Es muss nicht immer ich diejenige/derjenige sein, …. Damit hast du in gewisser Weise recht. Aber Team zu übersetzen in Toll, Ein Anderer Macht’s ist keine so gute Idee.

Mein Tipp: Versetze dich in die Situation eines Prüfenden. Meinetwegen ein Unternehmensberater. Schaffe Zeit und Raum zwischen dir bzw. dem Team und den Aufgaben. Betrachte in diesem Zeitraum – auch wenn er nur kurz ist – die Sinnhaftigkeit, das Ziel und den Zweck. Skizziere vor deinem geistigen Auge Prozess und Abläufe. Vielleicht stellst du dann fest, dass die Gruppe im Begriff ist, Kämpfe für andere zu führen, die selbst in der Lage wären. Oder die Pause hilft im Zweifel rechtzeitig zu bemerken, dass man es mit dem größten Nonsens zu tun hat. Oder aber du stellst fest: it’s good, let’s do that!

#3 Helfen, unterstützen, beraten. Zunächst einmal ist es etwas Positives, die Bedürfnisse und Nöte anderer Menschen zu erkennen, nicht zu übersehen und entsprechende Hilfe zu leisten. Es ist ein starkes Indiz für hohe Empathie. Ebenso ist es nobel, für die kurzfristige Hilfeleistung die eigenen Interessen, Wünsche und Bedürfnisse zurückzustellen. Zumindest vorübergehend. Das alles sollte aber in gesunder Balance bleiben und Grenzen haben. Um diese nicht zu überschreiten, ist es wichtig, zwei unterschiedliche Motive klar voneinander trennen zu können:

-Einem Leidenden aus akuter Not helfen; zutiefst menschlich und solidarisch handeln, eine soziale Pflicht erfüllen-    vs.    -regelmäßig seine eigenen körperlichen und seelischen Bedürfnisse aus den Augen verlieren und/oder helfen, um sich selbst aufzuwerten, um Anerkennung, Zuwendung und Bestätigung zu finden-

Letzteres wird gut erkennbar, wenn die Hilfeleistung nicht reduziert wird, obwohl die Hilfe gar nicht mehr benötigt wird, oder die Betroffenen längst überlastet und ausgelaugt sind oder ausgenutzt. Mein Tipp: Schaffe dir Routinen für deine eigenen grundlegenden körperlichen und seelischen Bedürfnisse und halte diese unbedingt ein. Um Routinen einzurichten und beizubehalten, gibt es einige Strategien.

 

Zur Erklärung des Textes. Weibliche Hand blättert in weißen Seiten und sitzt am See.

PIN IT! Routinen, die greifen, helfen, nach schwierigen Situationen wieder zu sich und den eigenen Zielen zurückzufinden. Photo by Anna Pritchard on Unsplash

PIN IT!

Ich persönlich bin ein großer Fan von Listen und habe eine Checkliste für Schlaf, Trinken, Gemüse, Obst, Protein, Kohlenhydrate, Fett, Sport, frische Luft, Freunde/Familie und Kreativität in dieser Reihenfolge. Würde ich in den grundlegenden körperlichen Bedürfnissen einen Mangel entwickeln, wäre ich garantiert keine Bereicherung für Freunde, Familie und Kollegen. Und noch weniger würde es mir gelingen, kreativ zu sein und produktiv zu arbeiten.

Wenn etwas Außergewöhnliches geschieht wie ein Todesfall in der Familie, dann lege ich natürlich nicht Wert darauf, dass meine Liste perfekt geführt wird oder mein Tagesablauf akribisch eingehalten. Aber gerade das Abhaken dieser Checkliste hilft mir, nach und nach wieder bei mir selbst anzukommen.

Hierbei wirkt auch Wunder, zeitweise das Kommentieren, Bewerten und Diskutieren herunterzufahren und aus Threads auszusteigen. Aber dazu mehr nächste Woche in der Minimalismus Challenge #4, für die ich übrigens noch Tipps einsammle. Schreib sie mir gern in die Kommentare.

Lieben Dank
Deine Julia Beatrice

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