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Minimalismus Challenge // #8 Plastikfrei

[Anzeige] Wenn du wie ich deine Ernährung umstellst und dich wieder bewusster ernährst, dann wirst du eines sehr schnell merken: Dein Plastikverbrauch steigt an. Was mir wirklich Stirnrunzeln bereitete, denn ich aß doch neuerdings besonders viel Obst und Gemüse – und das in Bio-Qualität.

Schnell registrierte ich: Der Grund für mehr Plastik in meinem Müllbeutel ist das sogenannte Plastik-Paradoxon. Für jedes Bio-Produkt herrscht in der EU eine Kennzeichnungspflicht auf dem Etikett. Damit Kundinnen und Kunden klar erkennen können, dass sie es mit einem Bio-Produkt zu tun haben.

Bei loser Ware, wie Obst und Gemüse, stehen diese Angaben in den Warenbegleitpapieren. Doch später im Regal sieht man der Gurke ihre Bio-Qualität nicht an. Hier kommt das Plastik ins Spiel. Supermärkte wollen sicherstellen, dass Bio auch wirklich Bio ist. Konventionelle Ware darf nicht aus Versehen im Bio-Regal landen. Also entschied sich der Handel für das Einschweißen in Plastik.

Aus Sicht von Michael Albert, Inhaber von Lola Hannover – der Loseladen, hat das noch andere Gründe. „Es geht wie immer ums Geld“, sagt er. Denn Unverpacktes zu verkaufen, ist personal- und kostenintensiv. Albert muss es wissen, betreibt er doch mittlerweile drei Loseläden in Hannover.

 

Zur Ergänzung des Textes. Gewürzgläser im Loseladen Hannover

PIN IT! Das Konzept eines “Loseladens”: Alles ist unverpackt. Von der Milch bis zu Gewürzen – wer nach Plastikverpackungen sucht, wird nicht fündig werden.

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Unverpackt einkaufen: Nicht schwer und macht Spaß

Ein Montag nach Feierabend im Februar. Ich betrete den Loseladen von Michael Albert im hannoverschen Stadtteil Linden. Sofort fällt mir auf: Hier riecht es gut. Hast du schon einmal wahrgenommen, dass es in einem Rewe oder Lidl riecht? Nicht wirklich, oder? Nur wenn du an einer Fischtheke vorbeigehst. Im Loseladen liegt hingegen ein blumiger Geruch von frischen Waschmitteln.

Eigentlich ist alles anders als in einem normalen Laden. Es gibt zwar einige Regale, in denen zum Beispiel Gläser mit Mandelaufstrich stehen. Überwiegend besteht der Loseladen jedoch aus Abfüllbehältern. Die Gefäße werden von den Kunden mitgebracht, und sie füllen ihre Lebensmittel selbst dort hinein.

 

Zur Ergänzung des Textes. Kunde füllt Limonade in Glas.

PIN IT! Glas ist zwar aufwendig in der Herstellung, kann aber leicht mehrfach verwendet werden. Außerdem gibt es keine Mikropartikel nach außen ab. © Michael Albert / Lola Hannover

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Ich schaue auf meinen Jutebeutel mit Tupperware. Ohne Kenntnis eines Loseladens habe ich morgens auf die Schnelle einfach alle Tupperbehälter eingepackt, die wir besitzen. Ein wenig zerknirscht sage ich zu Michael Albert: „Die sind auch aus Plastik.“ Natürlich ist es besser, wenn du Plastikbehälter mehrfach verwendest – „dann landen sie nicht im Müll.“ Aber: „Auch diese Behälter geben Weichmacher ab“, erklärt Michael Albert.

 

Das Grundprinzip beim verpackungsfreien Einkaufen: Eigene Behälter mitbringen und mehrfach verwerten

Ich schaue mich um. Die meisten Kunden arbeiten hier mit Gläsern, die sie ausgewaschen haben. Viele haben einen Korb dabei, der das übereinander Schichten der Gläser vereinfacht. Auch Michael Albert verkauft Produkte in Joghurtgläsern, zum Beispiel getrocknete Früchte. Auf die Gläser hat er das Unverpackt-Siegel drucken lassen. Aus gutem Grund: „Viele Menschen kaufen Lebensmittel wegen ihrer Verpackung und eigentlich nicht wegen des Lebensmittels. Nehmen wir zum Beispiel den Landliebe Joghurt oder die Fruchtzwerge. Ohne seine ikonische Verpackung würde das Nahrungsmittel nicht auf den ersten Blick erkannt werden. „Das ist aus unserer Sicht eine fatale Entwicklung, die zu immer mehr Verpackungen führt. Hier wollen wir eine Alternative anbieten.“ Wenn er von wir spricht, meint der Lola-Gründer den Verein Unverpackt e.V.

 

Zur Ergänzung des Textes. Blick in den Gang des Loseladens.

PIN IT! Außer Tierfutter kannst du im Loseladen alles kaufen. Selbst Zahnpasta beziehungsweise Zahnpasta-Tabs.

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Ich beginne mit meinem Einkauf und fühle mich wie immer großartig, wenn ich etwas Neues ausprobieren darf. Fasziniert gehe ich an den Abfüllbehältern entlang und versuche herauszufinden, was ich möchte. Ich entscheide mich für die Nusskernmischung und stehe vor der nächsten ungewohnten Herausforderung: Wie viel ist denn wohl wie teuer? Dem Gefühl nach lasse ich die Nüsse in die Tupperdose prasseln und gehe zur Kasse, um nachzuprüfen. Dort werde ich freundlich darauf hingewiesen, dass ich meinen eigenen Behälter nicht vorher abgewogen habe. Wieder so ein Anfängerfehler. Das muss ich einmal selbst tun und dann ein Etikett mit einem Barcode auf den Behälter kleben. Auf diese Weise wird das Gewicht meines Behälters abgezogen und ich zahle nur die Ware.

Das Gewicht meiner Nusskernmischung beträgt 75 Gramm zu einem Gegenwert von 2,58 Euro für ein Lebensmittel, das bio, fair trade und regional ist. Aber „was heißt für dich regional?“ frage ich Michael Albert. „Möglichst kurzer Transportweg und trotzdem den Kriterien bio und fair trade genügend. Es gibt aber Lebensmittel wie Reis, der hauptsächlich in Asien angebaut wird. Der Reis im Loseladen stammt aus Italien, was den Transportweg erheblich verkürzt. Ebenso die Kichererbsen, die in den meisten Geschäften mit der Herkunft Türkei gekennzeichnet sind. Unsere Kichererbsen werden in Nordhessen angebaut. Mit dieser Denke tragen wir dazu bei, dass ärmere Länder wie Ägypten ihr Wasservorkommen nicht einsetzen müssen, um damit Pflanzen zu bewässern, deren Ernte wir in den reichen Ländern verzehren“, sagt er.

 

Zur Ergänzung des Textes. Behälter mit Vorratslebensmitteln.

PIN IT! Eine große Auswahl gesunder Lebensmittel: Es gibt zum Beispiel Bruchschokolade, Nudeln und Reis. © Michael Albert / Lola Hannover

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Zur Ergänzung des Textes. Die Behälter mit Nussorten.

PIN IT! Alles ist lecker, aber die Behälter mit den Nusssorten haben es mir besonders angetan.

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3 Fragen an Michael Albert,
Inhaber der 3 Loseläden in Hannover

Wie kam es zu der Idee, einen Loseladen zu betreiben?

Eher durch Zufall. Im Internet stieß ich auf den ersten deutschen Unverpackt-Laden in Kiel, den ich mir daraufhin persönlich anschaute. Ich war bereits seit längerem unzufrieden mit der Umweltbilanz in meinem bisherigen Beruf als Tischler. Es gehört viel Idealismus dazu, eine solche Idee in die Tat umzusetzen. Übrigens kann ich meinem ursprünglich erlernten Beruf weiter nachgehen. Denn die Abfüllvorrichtungen LolaBins habe ich selbst entwickelt und vertreibe sie inzwischen weiter in die schnell wachsende Unverpackt-Szene. Stell dir herkömmliche Vorrichtungen vor, wie zum Beispiel bauchige Gefäße für Öle oder Essig. Da sind die Zapfhähne meistens seitlich angebracht. Das führt später zu einem Rest unten in dem Fass, den du aufwendig säubern musst. Deswegen sind alle meine Abfüllvorrichtungen unter dem Gefäß angebracht.

 

Zur Ergänzung des Textes. Die Abfüllbehälter.

PIN IT! Bei den “LolaBins” bleiben keine Reste im Abfüllbehälter zurück. © Michael Albert / Lola Hannover

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Welches weitere Wissen hast du dir angeeignet, um in diese Form des Einzelhandels einzusteigen?

Da ich bereits vorher selbstständig gearbeitet habe, waren es im Wesentlichen Hygienevorschriften, die erlernt wurden und natürlich eingehalten werden. Die gesamte Abfüllung im Loseladen wird regelmäßig überprüft und entspricht den Qualitätsstandards. Übrigens auch die Milch, für die wir Deutschlands einzige Milchabfüllanlage in einem Unverpackt-Laden anschafften. Ganz wichtig ist, dass die Kundinnen und Kunden saubere Gefäße mitbringen, denn ab dem Zeitpunkt der Abfüllung beginnt ihre Eigenverantwortung für die Ware. Das habe ich mir schwieriger vorgestellt, aber bisher gab es keine Probleme damit. Wer sich jedoch nicht sicher ist, ob die eigenen Flaschen genügend sauber sind, kann bei uns welche erwerben.

Welches Feedback bekommst du von deinen Kunden?

Viele sagen, dass sie inzwischen nicht mehr in einem normalen Supermarkt einkaufen mögen. Es ist dort so steril, unpersönlich und oftmals stressig. Einkaufen bei Lola entschleunigt und macht Spaß – und das Einkaufen in einem Loseladen ist nicht teurer als in einem konventionellen Bioladen.

 

Fazit: Ein Unverpackt-Laden ist bei Lebensmitteln, die du auf Vorrat kaufst, sowie für Milch, Käse und Eier die beste Möglichkeit, auf Plastik zu verzichten. Der regelmäßige Einkauf dort erfordert Umdenken. Vor allem, was die Planung deiner Einkäufe, die Abschätzung des Preises und den Transport in eigenen Behältern angeht. Wenn es gute Gewohnheiten sind, mit denen du zu mehr Nachhaltigkeit und Klimafreundlichkeit beitragen kannst, dann ist das in meinen Augen keine Frage, sich solche Gewohnheiten anzueignen. Sie bereichern dein Leben in jeder Hinsicht.

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