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Insel Juist Kurhotel

Insel Juist – warum sie die schönste ostfriesische Insel ist

Planst du einen Urlaub auf der Insel Juist? Eine sehr gute Entscheidung, denn Juist ist von allen 7 ostfriesischen Inseln die Schönste. Ich zeige dir warum und was du auf der Insel auf keinen Fall verpassen darfst.

Strand soweit das Auge reicht – die Insel Juist und ihre Dünen

Die Insel hat eine Länge von 17 Kilometern und ist damit die längste der ostfriesischen Inseln. Das bedeutet: Die Nordseeinsel hat besonders viel Strand anzubieten. Vom Flugzeug aus ist es besonders gut zu sehen: Der Strand ist ganz genauso lang wie die Insel, also auch 17 Kilometer. Doch damit nicht genug: Was Juist auszeichnet ist die unberührte Natur.

Im Gegensatz zu Norderney, welches besonders im Westen stark bebaut ist, verwöhnt Juist die Naturliebhaber unter den Besuchern. Wenn du die ursprüngliche Nordsee liebst, wo du statt auf Promenaden zu schlendern noch tief im Sand versinkst, dann bist du auf Juist goldrichtig.

Insel Juist - Panoramafoto vom Weststrand

Insel Juist – sie hat die ausgedehntesten Strände.

Ein Spaziergang am Strand gehört zum Lebensgefühl der Insel Juist

Direkt am Hafen liegt der Leuchtturm Memmertfeuer. Ein guter Ausgangspunkt für deinen Ausflug, denn hier verschaffst du dir schon einmal von oben einen Überblick. Aktuelle Daten für eine Führung stehen an der Leuchtturmtür. Einen festen Eintrittspreis gibt es nicht, jeder darf spenden. 650 Meter oder 9 Minuten sind es bis zur nächsten Aussichtsplattform am Juister Strand.

Vor dir erstreckt sich das Wattenmeer in einer Weite und Monotonie, die besonders entspannend ist. Bei Flut kannst du hingegen tolle Bilder vom aufgewühlten Meer fotografieren. Man reist in eine andere Welt wenn man auf Juist ist, und das ist es wert.

Insel Juist - Panoramafoto vom Wattenmeer

Besonders entspannend: die Weite und Monotonie des Wattenmeeres.

Was kann man auf der Insel Juist machen?

Im Westen: Domäne Bill und Billriff

Neben Spaziergängen am Meer kann man auf Juist besonders lecker Essen gehen. Eines der beliebtesten Restaurants ist die Domäne Bill. Auf dem ehemaligen Bauernhof gibt es den berühmten Rosinenstuten. Mhhh – mit einem schönen Ostfriesentee und Kandis schmeckt die Spezialität der Domäne Bill besonders gut. Und nach einem langen Fußmarsch zum Westen der Insel hat man es sich auch wirklich verdient, sich etwas Butter auf dem Rosinenstuten zu streichen.

Zur Domäne Bill kannst du natürlich auch mit dem Fahrrad fahren. 800 Meter weiter gibt es einen Fahrradparkplatz am Strand.

Insel Juist - Blick auf die Domäne Bill

Ausflugsziel im Westen von Juist: die Domäne Bill.

Von der Domäne Bill aus gelangst du zum Billriff. Dabei handelt es sich um eine Sandbank, und es bildet auf Juist den Punkt, wo Nordsee und Wattenmeer zusammentreffen. Wenn die Ebbe den Sand freilegt, dann kannst du hier die größte Sandwüste der Nordsee bewundern. Es ist Traum, dort zu wandern. Du bist ganz alleine und kannst unendliche Weiten mit Blick auf den Memmert genießen.

Ich liebe es, im Urlaub die Natur und Tierwelt zu entdecken – geht es dir auch so? Dieser Strandabschnitt eignet sich besonders zur Beobachtung. Mit etwas Glück kann man Seehunde entdecken. In der Vogelzugsaison lassen sich tausende Vögel beobachten, die über Juist hinweg fliegen und im Wattenmeer einen Stopp einlegen, um vor dem langen Flug genug Nahrung aufzunehmen.

Die Mitte: Westdorf, Ostdorf, Loog, Hafen und Hammersee

Der Hammersee

Der Hammersee ist ein Süßwassersee auf der ostfriesischen Insel Juist. Eigentlich war er mal mit Salzwasser gefüllt, da er durch eine Sturmflut im Jahr 1651 entstand. Als nach und nach der Deich im Norden und der Damm im Süden wieder rekonstruiert bzw. errichtet wurden, vermischte sich das Salzwasser im Lauf der Zeit mit Regenwasser.

Der Hammersee lässt sich umrunden und eignet sich deswegen gut für eine Wanderung. Die umgebenden Dünen bieten dir einen tollen Ausblick über Strand und Insel. Der Rundweg führt dich auf 6km durch einen märchenhaften Wald, vorbei am Wärterhäuschen und zurück in die Nähe des Ortes Loog. Achte dabei auf die Aussichtspunkte, denn es gibt keinen häufigen Zugang zum See. Über drei Aussichtspunkte verfügt das Gebiet rund um den See: zwei Plattformen und einen ebenerdigen Zugang am Ufer.

Der Ortsteil Loog

Etwa 2,5km vom Hauptort und Hafen Juist entfernt liegt der Ortsteil Loog. Hier geht es ruhiger zu als im bevölkerten Hauptort. Eine Teestube, ein Schiffchenteich, das Küstenmuseum und ein Supermarkt sind die Treffpunkte. Ansonsten begegnen dir die meisten Menschen an den beiden zentralen Strandaufgängen.

Seelenruhig liegt der kleine Ort mit seinen Backsteinhäusern da, nur unterbrochen vom Klappern der Hufeisen von den Pferdekutschen, die weiter im Westen die Domäne Bill ansteuern. Loog eignet sich auch gut für Regentage, zum Beispiel im Küstenmuseum, wo du die Inselgeschichte hautnah erleben kannst.

Island of Juist - Horses on a grassland

Zwischen dem Hauptort und dem Ortsteil Loog grasen die robusten Kutschpferde.

Der Hauptort: Westdorf und Ostdorf

Fahrräder, Spaziergänger:innen, Pferdefuhrwerke – im Juister Hauptort herrscht reges Treiben. Hier befinden sich die meisten Hotels und Restaurants, der Kurplatz und ein Schiffchenteich zum Spielen für die Kinder. Wer es mag, auf Reisen ausgiebig zu bummeln und in kleinen Läden zu stöbern, der ist hier genau richtig.

Wen es zum Meer zieht, der nimmt die Nordroute. Vorbei am Hotel Haus Ostfriesland in der Bahnhofstraße, welche in die Strandstraße und zur Strandpromenade übergeht. Dort entzerrt sich der Strom der Tourist:innen wieder und dort öffnet sich der Blick hinüber zum Sandstrand in seiner atemberaubenden Breite.

Im Töwerland, das auf ostfriesisch Zauberland heißt, thront ein weißes Schloss über Meer und Dünen: Das Strandhotel Kurhaus Juist. 1898 erbaut gehört es zu den absoluten Sehenswürdigkeiten von Juist und verleiht der Silhouette der Insel etwas Besonderes.

Insel Juist Strandhotel Kurhaus Juist

Strandhotel Kurhaus Juist.

Unterhalb des eleganten Strandhotels Kurhaus Juist führt ein Steg zu einer der Aussichtsplattformen in den Dünen der Insel. Von dort aus hast du einen wunderschönen Blick auf den abendlichen Sonnenuntergang über dem Meer. Die Lage in der Nordsee führt aber auch dazu, dass du mit dem ein oder anderen Gewitter und kräftigen Regenschauern rechnen musst.

Dann kannst du dich in die Strandhalle oder ins Restaurant Hohe Düne mit seiner Schirmbar retten. Die Hohe Düne bietet ein hervorragendes und mit viel Liebe zubereitetes Essen. Besonders die Salate sind lecker und werden reich belegt mit Scampi oder Maispoularde. Von einem Tisch in der Ecke links des Eingangs kannst du beobachten, wie es im Meerwasser-Erlebnisbad zugeht und dich schon einmal auf deinen Besuch dort freuen.

Der Hafen

Einer meiner Lieblingsorte auf der Insel Juist ist der Hafen. Hier gibt es so viel zu sehen und entdecken – allem voran das Seezeichen. Es ist 7m hoch und ein ikonisches Bauwerk mit einem tollen Ausblick über den Naturpark Niedersächsisches Wattenmeer. Schön ist, dass der Ausblick hier jedes Mal anders aussieht. Ebbe, Flut, wolkenloser oder wolkenverhangener Himmel, Fähren oder Fahrpause – diese Gegensätze prägen den 360-Grad-Blick des Hafens, vom Seezeichen aus.

Wenn du wieder hinabgestiegen bist, fällt die in den Weg eingelassene Bronzepalette auf. Sie visualisiert, dass der 7. Längengrad des Globus über Juist verläuft. Spaziere vorbei an schaukelnden Segelbooten wieder in den Hauptort hinein.

Das Seezeichen.

Der Hafen der Insel Juist.

Im Osten: Grünes Kalfamer

Auch am Ostende der Insel gibt es ausgedehnte Sandflächen. Insgesamt ist das Kalfamer (“Kalv” (engl. Calf) = Kalb und “Hammer” = niedrig gelegene, feuchte Wiese ergibt Kalv-Hammer, also Kälberwiese) jedoch erheblich grüner als die Westspitze und die Bill von Juist. Hier entstehen überall neue Dünen, denn die Insel Juist wandert – nach Osten.

85 Prozent von Juist stehen unter Naturschutz, deswegen gibt es am Kalfamer nur einen Weg durch die Wiesen abseits der Brutgebiete. Doch der Weg lohnt sich, und vor allem viele Tagestourist:innen konzentrieren sich auf die populäre Bill – sodass du am Ostende der Insel Juist mehr Zeit und Ruhe für dich genießen kannst.

Wie kommt man am besten nach Juist?

Obwohl du Juist auch bei Ebbe zu Fuß durch das Wattenmeer erreichen kannst, ist es aufgrund der Gefahren nicht wirklich zu empfehlen. Die beste Möglichkeit ist es, eine Fähre auf die Insel zu nehmen. Von Frühjahr bis Herbst verkehrt die Fähre mindestens 1x täglich, teils 2x täglich. Im Winter kannst du sie 1x täglich nutzen. Die Fähre benötigt 90 Minuten, und die Überfahrt ist durch die Gezeiten im Wattenmeer wetterabhängig. Fahrpläne sind bei der Reederei Frisia hinterlegt.

Zwei Schnellfähren bringen dich jeweils in 45 Minuten nach Juist – sie sind aber auch teurer. Die Preise für den Töwerland Express findest du hier. Der Insel Express publiziert seine Preise hier. Durch die Gezeiten der Nordsee werden sie nicht beeinflusst.

Ihr Auto müssen die Besucher von Juist übrigens in Norddeich stehenlassen. Die Insel ist autofrei.

Warst du auch schon einmal auf der Insel Juist und wenn ja, was hat dir am besten gefallen? Teile es mit anderen in den Kommentaren.

Deine Julia Beatrice

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Normandie Sehenswürdigkeiten: Ein besonderer Teil Frankreichs

Normandie Sehenswürdigkeiten – Du möchtest wissen, was die Normandie auszeichnet? Auf der Reise in die Normandie fährt man durch ein malerisches, hügeliges, sehr grünes Hinterland. Diese Landschaft wird immer wieder durch sehr hohe Hecken unterbrochen, welche die Felder und Wiesen vor dem Wind schützen. Die Normandie ist Pferdeland, aber auch Rinder und Schafe fallen einem oft auf. Zudem wird vornehmlich Obst angebaut. Im Frühjahr blühen Millionen von Apfelbäumen. Aus den vergorenen Äpfeln stellt man den hier beliebten Cidre und auch Calvados her. Zum Kennenlernen möchte ich den Cidre Doux empfehlen – er ist lieblicher ausgebaut.

Normandie Sehenswürdigkeiten: Sonnenuntergang am Juno BeachVon unserer Ferienwohnung mit Blick auf den Fluss Seulles an der Mündung in den Ärmelkanal konnten wir bequem innerhalb von 10 Gehminuten am Juno Beach sein. Wir hatten für den Sommerurlaub eine Unterkunft in Courseulles-sur-Mer gebucht. Der wenig touristisch erschlossene Ort Courseulles-sur-Mer mit über 4.000 Einwohnern, liegt oberhalb der Stadt Caen direkt am Juno Beach. Jeden Abend haben wir an der Küste der Normandie einen glühenden roten Feuerball im Meer untergehen sehen. Ein Traum für jeden Sunset-Spotter, und der Jahrhundertsommer 2018 machte es uns möglich. Jetzt Sehenswertes entdecken? Dann geht es hier entlang.

Woher hat die Normandie ihren Namen?

Es waren Nordmänner, die der Normandie ihren Namen gaben: Am Ende des 8. Jahrhunderts begannen die aus Skandinavien stammenden Wikinger, die Klöster und Städte an den Küsten Westeuropas zu überfallen. Mitte des 9. Jahrhunderts plünderten und brandschatzten sie im Fränkischen Reich die Städte Rouen und Paris. Im Jahr 911 handelte der Wikinger Rollo mit dem westfränkischen König Karl III. im Vertrag von Saint-Clair-sur-Epte Besiedelungsrechte im unteren Gebiet des Flusses Seine bis nach Rouen aus. Dazu musst du wissen: Die Mündung der Seine liegt auf dem Gebiet der Normandie, genau zwischen der Haute-Normandie und der Basse-Normandie.

Die Wikinger bekamen Land zur Verfügung gestellt und mussten im Gegenzug die fränkischen Küsten vor weiteren Angriffen beschützen. Die Franken nannten die sich allmählich mit der einheimischen Bevölkerung vermischenden Neuankömmlinge nicht mehr Wikinger, sondern Nortmanni (lat.) bzw. Nordmannen (dt.)., also Normannen.

Die international gefeierte Serie Vikings von Michael Hirst schildert in einigen Folgen genau diese Konflikte mit dem Frankenreich. Eine historische Genauigkeit der Abenteuer von Ragnar Lodbrok und seines Bruders Rollo ist hier nicht gegeben, weil Ereignisse und Begebenheiten, die teilweise Jahrhunderte auseinanderliegen, sich in der Serie innerhalb von einigen Jahren abspielen. Dennoch erhalten die Zuschauer:innen einen unterhaltsamen Einblick in dieses so spannende Zeitalter. Übrigens konnte Rollo, der erste Herzog der Normandie nicht ahnen, welch historisch bedeutsame Nachkommen auf ihn folgen sollten. Oder hättest du gewusst, dass Wilhelm der Eroberer oder Richard Löwenherz seiner Linie entstammen?

Das Wikingerdorf Ornavik in der Normandie von Weitem.

Interessant: Das Wikingerdorf Ornavik.

Wer tiefer in die Lebenswelt der Normannen eintauchen möchte, sollte dem Wikingerdorf Ornavik bei Caen unbedingt einen Besuch abstatten. Mit viel Liebe zum Detail wurde, unter dem Aspekt der experimentellen Archäologie, eine frühmittelalterliche Siedlung erschaffen. Sie spiegelt die Lebensweise der Wikinger in der Normandie sehr gut wieder. Das weitläufige Gelände lässt sich gut erkunden und du bekommst einen prägnanten Eindruck von den damaligen Lebensumständen vermittelt.

Hier geht es zu den weiteren Normandie Sehenswürdigkeiten.

Wo genau war der D Day?

Alle Strände in der Normandie zeichnet, so unterschiedlich sie auch zum Teil sind, feiner Sand und sehr sauberes, klares Wasser aus. Doch nicht immer war es hier alles so beschaulich und vor allem friedlich – davon zeugen heute noch an fast jedem Strand die Überreste der von Deutschen errichteten Bunkeranlagen des Atlantikwalls. Juno war einer der fünf Landungsstrände namens Gold, Omaha, Sword und Utah, der Operation Overlord. In erbitterten Schlachten wurde hier um die Freiheit des Kontinents gerungen. Aus strategischen Gründen wurde zuerst die Festung Pointe du Hoc gestürmt. Der Felsen zwischen den Strandabschnitten Utah Beach und Omaha Beach ragt 30 Meter senkrecht über dem Strand auf. Die Klippen am Pointe du Hoc gehören definitiv zu den Normandie Sehenswürdigkeiten.

Normandie Sehenswürdigkeiten Blick auf den Felsen Pointe du Hoc

Der Felsen Pointe du Hoc.

Die Kanadier eroberten unseren Strandabschnitt, Juno Beach, während der Landungen am D-Day von den deutschen Besatzern zurück. In Europas dunkelster Stunde der Neuzeit wurde das Licht der Freiheit am 6.6.44, dem D-Day, an den Stränden der Normandie neu entfacht. Die Franzosen haben die Befreiungnie vergessen und feiern am Juno-Beach, wie an allen Landungsstränden, alljährlich das Feu Canadien. Gut eine Woche nach dem D-Day betrat in Courseulles-sur-mer ein gewisser Charles de Gaulle erstmals wieder französisches Festland. Für Interessierte lohnt sich ein Besuch im Museum Juno-Beach-Centre.

Die Normandie erkunden heißt auch Leckereien entdecken

Freunde von Meeresfrüchten und frisch gefangenem Fisch freuen sich im kleinen Hafen von Courseulles-sur-mer über ein reichhaltiges Angebot von exzellenter Qualität. Die Fischer verkaufen den gerade noch im Meer geschwommen Fisch zu wirklich fairen Preisen. Wir erinnern uns gern an die selbstgekochten Mahlzeiten mit Flunder, Scholle und Miesmuscheln. Die Möwen zahlen übrigens nichts, sie warten geduldig eine günstige Gelegenheit ab und rauben sich „ihren Anteil“ am Fang von den Auslagen. Direkt am Hafen liegt die Fußballkneipe L’R du Port – sie bietet Moules frites an – wie auch das gegenüberliegende Restaurant Au P’tit Mousse, wo die Austern besonders gut schmecken.

Wer lieber Fleisch isst sollte unbedingt den Burger Normand probieren. Eine interessante Kombination von amerikanischer und französischer Küche. Würdet ihr etwa darauf kommen, euren Burger anstatt mit Scheibenkäse mit Camembert und etwas Apfel zuzubereiten? Ungewöhnlich, aber wirklich schmackhaft – dazu passt sehr gut ein Glas Cidre.

Normandie Sehenswürdigkeiten: Arromanches-les-Bains

Auf einer Tour Richtung Westen nach Arromanches-les-Bains hat man von den hohen Steilklippen einen beeindruckenden Blick über den Ort und die Bucht. Nicht unweit vom Strand liegen riesige, rechteckige Gebilde im Wasser, mal mehr oder weniger von der Flut umspült. Es handelt sich um die historischen Reste eines künstlichen Versorgungshafens der Alliierten, der nach dem D-Day den Nachschub sichern sollte. Dieser Hafen des Landungsabschnitts mit dem Codenamen Gold ist nicht wirklich in Betrieb gegangen, weil er bei einem Sturm zerstört wurde. Als Folge liegen heute die Pontons auf mehrere Kilometer zerstreut im Meer.

Normandie Sehenswürdigkeiten: Der ehemalige künstliche Hafen in Arromanches-les-Bains

Der künstliche Mulberry-Hafen von Arromanches-les-Bains. Foto: @nilsnavigations auf Instagram

Mit dem künstlichen Mulberry Hafen sollte die Verbindung zu den kanadischen Truppen am Juno Beach hergestellt werden. Mulberry Häfen waren dazu da, sehr schnell Fahrzeuge und Versorgung an Land zu bringen, dazu wurden Pontons aus Beton genutzt. In 1.000 Tagen landeten 22.0000 Soldaten, 53.0000 Tonnen Versorgungsmittel und 39.000 Fahrzeuge an den künstlichen Häfen in der Normandie.

Wer mag kann sich im 360 Grad Kino von Arromanches den Kurzfilm über die Débarquement de Normandie [dt. = Landung in der Normandie] ansehen. Ein ziemlich lautes Spektakel, aber es verdeutlicht auf eine sehr eindrückliche Weise, was der Krieg in diesem Teil Frankreichs angerichtet hat und warum diese Ereignisse sich so tief in die Erinnerungskultur der Franzosen eingeprägt haben.

Normandie Sehenswürdigkeiten: Der Teppich von Bayeux

Noch weiter zurück in die Vergangenheit reist man nach Bayeux, eine pittoreske, mittelalterliche Stadt mit einer sehr schönen Altstadt. Ein Besuch im Museum Musée de la Tapisserie, welches den mittelalterlichen Teppich von Bayeux ausgestellt, ist ein Muss. Guillaume le Conquérant – William the Conqueror – Wilhelm der Eroberer, ein direkter Nachfahre von Rollo dem Wikinger, hat hier die Eroberung Englands in Bildern, in einer Art mittelalterlichem Comicstrip, darstellen lassen. Er zeigt die Geschichte der Eroberung Englands durch die Normannen in der berühmten Schlacht von Hastings im Jahre 1066.

Normandie Sehenswürdigkeiten: Ausschnitt des Teppichs von Bayeux

Ein Bildausschnitt des berühmten Teppichs von Bayeux. Foto: @nilsnavigations auf Instagram

Damit endete die Linie der angelsächsischen Könige in England. Fortan hatten alle englischen Herrscher den Anspruch und das Bestreben auch Könige Frankreichs zu werden. Eine der Folgen war der Hundertjährige Krieg, der mit der Vertreibung der Engländer aus Frankreich im Jahr 1453 endete. Erst 1802, mit dem Frieden von Amiens, verzichteten die englischen Könige offiziell auf den französischen Thron, da es ihn schlichtweg nicht mehr gab. Die Französische Revolution hatte die Monarchie beendet und die Republik ausgerufen. Die Normandie  – an dieser Region im Norden Frankreichs finde ich so faszinierend, dass hier über Jahrhunderte immer wieder bedeutsame Ereignisse für die Geschichte Europas und der Welt geschehen sind.

Normandie Sehenswürdigkeiten: Blick von unten auf die Kathedrale von Bayeux.

Bayeux hat außerdem eine besonders schöne Kathedrale, deren Besuch ich dir unbedingt ans Herz lege.

Normandie Sehenswürdigkeiten: Die Burg Falaise

Südlich von Caen liegt die kleine Stadt Falaise und bietet sehr viel Sehenswertes. Bis zur Eroberung Englands war die Burg Falaise der Herrschersitz der Herzöge der Normandie. Die auf einem hohen Felsen thronende weitläufige Anlage mit einer massiven Burgmauer stammt aus dem 10. Jahrhundert und symbolisiert eindrucksvoll den Herrschaftsanspruch der Normannen.

Wilhelm der Eroberer wurde hier 1027 geboren. Die Burg wurde Ende des letzten Jahrhunderts, unter Anwendung von modernem Stahlbeton, restauriert. Beim Besichtigen fällt einem dies nicht immer angenehm auf, aber so lässt sich gut für den Laien zwischen historischer Substanz und Rekonstruktion trennen.

Normandie Sehenswürdigkeiten: Frontale der Burg Falaise

Zentrum der Macht und Geburtsort Wilhelms des Eroberers: Die Burg Falaise.

Im Innern finden sich nur wenige Exponate und die Räumlichkeiten wirken nicht, wie so oft, überladen. Die Aufmerksamkeit der Besucher wird auf angenehme Art auf das Wesentliche gelenkt. Mir hat dieses Konzept in Kombination mit Augmented Reality, in denen normannischen Persönlichkeiten, ihre Geschichte erzählen, gut gefallen:

Hierzu werden iPads genutzt, um die Räume zum Leben zu erwecken. Wenn du einen Raum betrittst, scanst du ein Symbol und das iPad wird zu deinem Fenster in längst vergangene Zeiten. Du schaust hindurch, richtest es auf Abschnitte im Raum und erkennst, wie der Raum ausgesehen haben muss als er noch bewohnt war.

Das ist eine sehr clevere Erzählweise des Museums und fördert die Interaktion. Du ertappst dich selbst dabei, wie du 30 Minuten in einem Raum verweilst, weil der Blick in die Vergangenheit und der Vergleich mit der Gegenwart so spannend ist. Ohne das Tablet hättest du den Raum vielleicht in zwei Minuten erfasst und durchschritten. Die Geheimnisse der Vergangenheit – sie wären dir verborgen geblieben.

Die Tablets erwecken die gesamte Burg von Falaise zum Leben – und geben dir die Möglichkeit, weitere Detailinformationen abzurufen – so viele du möchtest.

Normandie Sehenswürdigkeiten: Ausblick von der Burg Falaise

Vom Burgfried bietet sich ein toller Blick über die Stadt Falaise und das Hinterland.

Normandie Sehenswürdigkeiten: Zum amerikanischen Friedhof Colleville-sur-Mer

In der Basse-Normandie wollten wir uns noch viel mehr mit der Historie und Kultur beschäftigen, haben uns aber dann für den Besuch von weiteren Stränden entschieden. Ein weiteres Highlight an der Côte de Nacre ist Omaha Beach. Ein wunderschöner, endloser Sandstrand, der auf den ersten Blick wirklich nicht erahnen lässt, welche Dramen sich dort abgespielt haben. Auch hier hat die Geschichte ihre prägenden Spuren hinterlassen. Der Beginn von Steven Spielbergs Saving Private Ryan visualisiert nur allzu eindrücklich die Schlachtfelder des D-Day. In den ersten Stunden der Landung haben die amerikanischen Truppen sehr hohe Verluste hinnehmen müssen.

Viele GI`s starben, noch bevor sie überhaupt den Strand erreichen konnten. Oberhalb des Strandes befindet sich in der kleinen Gemeinde Colleville-sur-Mer das Normandy American Cemetery and Memorial. Die Franzosen haben aus Dankbarkeit den Amerikanern, für ihren unermüdlichen Einsatz für die Freiheit, ein 49 ha großes Areal überlassen. Fast 10.000 amerikanische Soldaten haben auf dem Friedhof ihre letzte Ruhe gefunden. Es waren sehr viele junge Menschen, dessen Leben und Träume schon in den ersten Stunden des D-Day abrupt beendet wurden.

Normandie Sehenswürdigkeiten: Gräberreihen auf dem amerikanischen Soldatenfriedhof in Colleville-sur-Mer im Nebel

Der amerikanische Soldatenfriedhof in Colleville-sur-Mer.

Zwischen all den in Reihe gezogenen Gräbern mit den vielen weißen Kreuzen stehen – und das empfand ich als besonders anrührend – etliche Davidsterne. Es liegt nun an uns, dass wir und kommende Generationen, dieselben Fehler nicht erneut begehen. So können wir am besten all jenen, die dort liegen, die Ehre erweisen und unsere Dankbarkeit zum Ausdruck bringen.

Vor dieser Reise hätte ich mir nicht träumen lassen, dieses Land mit seiner reichhaltigen Kultur und Historie ins Herz zu schließen. Drei Wochen waren leider viel zu kurz, denn selten hat mich ein Urlaubsland so nachhaltig beeindruckt. Mittlerweile waren wir bereits dreimal in Frankreich; es folgten die Bretagne und die Île de Ré. Eines Tages kehren wir sicherlich in die Normandie zurück, um mehr über die Orte und Geschichten zu erfahren, die diese einzigartige Region am Ärmelkanal für uns noch bereit hält. Vive la Normandie!

Gastautor
Frankreich? Ausgerechnet die Normandie? So reagierte mein Mann Nils, als ich ihm im Hitzesommer 2018 vorschlug, statt nach Marokko in die Normandie zu reisen. Bis dahin hatte er das Departement Calvados nur während eines Schüleraustauschs kennengelernt. Damals konnte er sich noch nicht so wirklich für die vielfältige Kultur und Historie begeistern, die dieser Landstrich zu bieten hat. Das änderte sich mit der Reise nach Courseulles-sur-Mer, über die er erstmalig einen Gastbeitrag auf meinem Blog verfasst hat. Mehr Reisefotos und -texte von Nils findest du auf seinem Instagram-Account @nilsnavigations.

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