Deutschlandreisen und Naturschutz: So machst du verantwortungsbewusst Urlaub

Freitag erhielt ich die Abschiedsnachricht einer Kollegin, bevor sie in den Urlaub fuhr. Sie habe vor, so schrieb sie, „nun die Tierwelt in den Alpen zu erschrecken“. Was sicher nett und lustig gemeint war, rief mir ein Ereignis von Anfang Juni wieder in Erinnerung. Eine Influencerin löste auf Instagram eine Welle der Empörung aus. Sie posierte im Nationalpark Berchtesgaden im Bikini auf einem Bergvorsprung, der mit Wasser gefüllt ist und von dem sich ein Wasserfall mehrere Meter nach unten stürzt.

Menschen kamen dort schon ums Leben. Und es ist nicht das erste Mal, dass neben den Menschen auch die Natur geschützt werden muss. Wenn Blogger mit Reichweite Fotos und Videos aus entlegenen Ecken teilen und Strecken abseits der gesicherten Pfade hervorheben, dann zieht das Nachahmerinnen und Nachahmer an. Genau aus diesem Grund eröffnete Andrea Lammert von Indigo Blau im Juni eine Blogparade zum Thema Verantwortungsvolles Bloggen. Besser spät als nie kommt hier mein Beitrag dazu.

 

Bucht auf Vancouver Island

PIN IT! Einst Geheimtipp, jetzt ein Beispiel für Overtourism: Tofino auf Vancouver Island.

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Dabei fokussiere ich mich eher auf die Verantwortung für den Schutz der Natur als auf die Verantwortung von Bloggern mit Millionen Followern. Denn der Schutz der Natur gibt auch mir immer wieder zu denken. Ich blogge über das Entdecken der Natur. Gerne für Orte, die noch nicht jeder kennt. Abseits der Massen und individuell. Und hier wirft die – wie ich sie nenne – „neue Lust auf Deutschland“ Fragen auf. Weil sich an den Küsten und in den Alpen die Touristen drängen, fände es Dirk Dunkelberg vom Deutschen Tourismusverband „schön, wenn wir sie etwas ins Binnenland umleiten könnten“. Genau auf dieses Binnenland habe ich für meinen Blog JuliasJourneyz ein Auge geworfen. Ich wollte verdeutlichen, dass Deutschland noch viele andere spannende Orte zu bieten hat als die Nordseeküste und die Alpen.

Ich musste mich also fragen: Wenn ich Regionen im Binnenland empfehle, die noch abseits des Massentourismus liegen, könnte ich damit die Zukunft dieser Orte negativ beeinflussen? Denn genau damit beginnt ja verantwortungsvolles bloggen. Mit der Frage: Was, wenn meine öffentlich und dauerhaft sichtbar im Web platzierte Empfehlung von sehr vielen Menschen aufgegriffen wird? Was könnte ich auslösen und wird es etwas Positives sein?

 

Strand in Schleswig-Holstein

PIN IT! In Schleswig-Holstein wachsen Bäume direkt am Wasser. Wird es hier immer noch so idyllisch sein, wenn die Massen das entdecken?

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Ich bin fest davon überzeugt, dass es darauf ankommt, wie achtsam wir in unseren Handlungen sind. Und so ist es auch mit dem Reisen. Besonders wichtig ist es meiner Meinung nach, sich vor einer Reise sorgfältig zu informieren. Mein letzter Kurztrip führte mich letztes Wochenende an die Elbe. Dort liegt das Biosphärenreservat Niedersächsische Elbtalaue.

Dazu musst du wissen, dass die Elbe Teil der innerdeutschen Grenze war. Die bestgesicherte Grenze der Welt. Ihre Mauern, Metallzäune, Minen und Wachtürme schufen einen Todesstreifen für Menschen. Doch ähnlich wie in Tschernobyl konnte sich in dem unbewohnbaren Gebiet ein einzigartiger Naturreichtum entwickeln. Umso wichtiger ist es, ihn zu bewahren.

Im Biosphärenreservat längs der Elbe übernehmen das seit 2018 vier hauptamtliche Ranger. Sie wurden mit Unterstützung der rotgrünen Niedersächsischen Landesregierung eingestellt. Zum Bildungsangebot der Ranger gehören naturkundliche Führungen ebenso wie Bildungsangebote für Schulen. Die Arbeit von Rangern ist in Deutschland leider noch recht unbekannt. In den USA hingegen wächst jedes Kind in dem Wissen auf, dass die derzeit 62 Nationalparks von Rangern beaufsichtigt werden. Es gibt vieles, was man an den Vereinigten Staaten kritisieren kann. Das Bewahren der landschaftlichen Schätze des Landes gehört nicht dazu. Mich hat bei meinen Reisen in die USA immer beeindruckt, dass dort allein durch Namensgebungen auf schützenswerte Orte hingewiesen wird.

 

Nahaufnahme einer Pasqueflower Seedhead (Pulsatilla)

PIN IT! Zauberhafte Wildblumen im Mount Rainier National Park in den USA. Trotz der -vor Corona- zahlreichen Wanderer auf den Wildflower Trails werden sie hier gut und effektiv geschützt.

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Neben den 62 Nationalparks gibt es noch diverse andere Schutzgebiete, zum Beispiel National Monuments, National Recreation Areas, Seashores und Trails, National Preserves sowie Wilderness Areas und National Wildlife Refuges. Deren Naturschutzprogramme fielen mir besonders im Mt. Rainier National Park auf, wo im August diverse Wildflower Trails bewundert – aber eben auch geschützt werden möchten.

Die Ranger-Programme an der Elbe müssen momentan pausieren, so schreibt es mir ein Mitarbeiter Biosphärenreservats vor unserem Mikroabenteuer. Aber es gibt diverse andere Möglichkeiten, an naturkundlichen Führungen teilzunehmen. Ich schreibe an Sabine Wittkopf, sie ist Historikerin sowie zertifizierte Natur- und Landschaftsführerin im Biosphärenreservat Niedersächsische Elbtalaue. Über meine kurzfristige Kontaktaufnahme freut sie sich, denn eine langfristige Planung ihrer Wanderungen, Rad- und Beobachtungstouren macht sie gerade nicht. Für einen Sonntagmorgen melde ich mich zum „Baumgeschichten-Spaziergang durch das Elbvorland in Konau“ an, ein Tipp für mich von der Biosphärenreservatsverwaltung und zu finden auf der Website Elbtalaue erleben.

Während des zweistündigen Spaziergangs an der Elbe merkt man ihr die Begeisterung an, mit der sie von der Bedeutung und Funktion der Bäume für die Bewohner des Amtes Neuhaus erzählt. Nebenbei erlernen wir die wichtigste Lektion des Naturschutzes im Biosphärenreservat: Nur in bestimmten Buhnen ist den Menschen das Betreten der Natur abseits von markierten Wegen erlaubt. Diese Zonen sind eindeutig beschriftet, und das heißt auch: Man soll sich daran halten. Andersfalls dürfen die Ranger Strafzettel verteilen.

 

Eine der Buhnen an der Elbe bei Konau und Popelau

PIN IT! Die Buhne nahe der Orte Konau und Popelau darf auch abseits der markierten Spazier- und Radwanderwege innerhalb der Flusslandschaft der Elbe betreten werden.

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Was hat es mit diesen Buhnen auf sich? Die Steinpflasterungen ragen in regelmäßigen Abständen in die Elbe hinein. Sie wurden für die Binnenschifffahrt angelegt. Kurz gesagt machen sie die Elbe schmaler und tiefer. Nebenbei entwickelt sich in den kleinen flachen Buchten die Natur: Es sammeln sich Graugansfamilien, Kraniche und Kiebitze. Graureiher und Kormorane suchen hier Nahrung. Selbst eine gefährdete Libellenart, der Asiatischen Keiljungfer, lebt im Schutz der Buhnenfelder.

Sabine Wittkopf zeigt uns eine Stelle, wo ein Biber ein kapitales Stück Holz aus einem Baumstupf gesägt hat. Gegenüber grasen Wildpferde. Ich frage, ob man an dieser schönen Stelle campen dürfte. Sie antwortet, dass es im gesamten Uferbereich nur auf den dafür vorgesehenen (Camping-)Plätzen möglich ist. Auch Lagerfeuer sind strengstens untersagt. Die Art ihrer Antwort sagt mir, dass sich ärgerlicherweise sehr viele Besucherinnen und Besucher nicht daran halten.

 

Ausblick auf die Elbe von der Schwedenschanze aus

PIN IT! Die Elbe von oben. Sogar Wandern ist in der Nähe des Flusses möglich. Hier sind wir in der Nähe des Kaffeegartens Schwedenschanze.

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Schwer verständlich. Denn das Biosphärenreservat Niedersächsische Elbtalaue bietet auf einer Gesamtfläche von 567,6 km² diverse Möglichkeiten für ein Miteinander von Mensch und Natur. Fahrradfahren auf dem Elbe-Radweg, Spazierengehen, Sonnenbaden und Entspannung in den zugänglichen Buhnen. Sogar Wandern kannst du im angrenzenden Naturpark Elbhöhen-Wendland. Es gibt einige grundsätzliche Regeln, aber sie sind überschaubar:

  • Sich leise und rücksichtsvoll verhalten
  • Auf den Wegen bleiben
  • Den Müll wieder mitnehmen
  • Tiere nicht erschrecken und beunruhigen

Für Veranstaltungen, das Campen sowie den Reit-, Angel-, Motorbootsport, Fluggeräte und den Autoverkehr gelten besondere gesetzliche Regeln. Dieser schön gezeichnete und informative PDF-Flyer “Fair zur Natur” der Biosphärenreservatsverwaltung zeigt dir, was geht – und was nicht geht.

Eigentlich sollte es jedes Kind wissen und trotzdem habe ich im Biosphärenreservat noch viel gelernt. Eine gute Schule für weitere Deutschlandreisen und Mikroabenteuer, um sich die einfachen Regeln nochmals einzuprägen sie und beim Reisen und Bloggen auf verantwortungsvolle Weise zu berücksichtigen.

Comments
  • Jules

    Klasse Artikel, danke fürs teilen!

    • Julia
      Jules

      Hi Jules,
      das freut mich – gerne 😊

      Julia