Mein erster Blog

Zur Ergänzung des Textes. Kameraobjektiv, das rückwärts zeigt

 

Wie alles anfing..

 

2012 – 12 Städte in 12 Monaten und meine Hochzeitsplanung

Ich kam durch die Journalistin Meike Winnemuth mit Reiseblogs in Berührung. Das war 2012. Die Autorin des Buches Das große Los hatte gerade ihr Projekt 12 Städte in 12 Monaten beendet. Nachdem sie bei Wer wird Millionär gewann, verwirklichte sie einen lang gehegten Traum. Sie lebte jeden Monat in einer anderen Stadt – darunter Sydney, Buenos Aires und Mumbai.

Das Konzept fasziniert mich bis heute. Ich verschlang ihren Blog – und nahm so 2012 eher nebenbei Notiz von der Möglichkeit des Bloggens. Etwa zur selben Zeit gründete Anja mit Travel on Toast einen der inzwischen erfolgreichsten deutschsprachigen Reiseblogs. Holly Becker vom Blog decor8 war zu der Zeit bereits 6 Jahre mit dem Thema Interior Design im Geschäft. Heute, zu Beginn des neuen Jahrzehnts 2020, verzeichnet sie nach eigenen Angaben ca. 1 Millionen Leser täglich auf allen ihren Plattformen zusammengenommen.

Zur Ergänzung des Textes. Laptop, der einen Blog zeigt, steht auf Tisch.

Ich muss ehrlich zugeben, dass ich als ausgebildete Journalistin Blogs anfangs sehr kritisch beäugte. Der Begriff Logbuch war mir aus der Seefahrt bekannt, aber mir erschloss sich nicht unmittelbar der Zweck von Blogs. Vielleicht lag es an meiner Generation. Ich wurde 1977 geboren. Uns prägte man ein, dass das Private nicht öffentlich werden soll.

Doch umgekehrt lag es auch an meinem Journalistenherz, das mich hatte neugierig werden lassen. Und so startete ich noch im selben Jahr nach dem Kontakt mit Meike Winnemuths Reiseblog Vor mir die Welt meinen ersten eigenen Blog. Heute erscheinen mir meine ersten Schritte niedlich.

Mein erster Blog – ein Hochzeitsblog

Nils und ich hatten uns im Juli 2011 an der Ostküste der USA verlobt und begannen, unsere Hochzeit zu planen. Parallel schrieb ich auf Facebook meinen kleinen halböffentlichen Blog, der unsere Hochzeitsgäste mit Facebook-Profil über eine spezielle Liste erreichte. Intuitiv lernte ich dabei, was beim Bloggen besonders wichtig ist:

  • Kontinuierliches Hinarbeiten auf ein Ziel (hier: eine tolle Hochzeit mit vielen motivierten Gästen)
  • Immer am selben Thema dranbleiben (Wiedererkennungswert)
  • Die Community aktiv einbinden (hier: eine Musikliste für die Hochzeit zusammenstellen)
  • Im Dialog bleiben (was oft sehr lustig sein kann ..)

 

Hochzeitsblog #12

13.11.2012 „Morgen kommt der Pastor. Zu uns nach Hause. Wir sind bestens vorbereitet: Nils hat ein Gesangbuch aus der Bücherei ausgeliehen und Lieder rausgesucht. Außerdem ist er stundenlang auf Bibelserver gesurft auf der Suche nach nem Trauspruch. Was mir aber Kopfschmerzen bereitet: Was bietet man einem Pastor zu Essen an? Ich mein, man kann ja nicht sagen: Hier, leckere Erdnussflips! Also habe ich mich für Gemüsesticks entschieden mit vegetarischem Dip. Dazu gibts Körnerkekse und Schoko-Cookies, Kirchenleute mögen doch süß. ach, ich freu mich irgendwie auf morgen, auch wenn es ungewohnt wird …“

S.D. „Der Pastor freut sich bestimmt über ein Glas Wein 😊“
C.K. „Da stimme ich Dir zu! 🙂 Ich will gar nicht wissen, wieviel Meßwein aus Versehen „verschüttet“ wird 😊“
N.H. „Die Erdnußflips würde ich mal auf Vorrat halten. Gesund kriegt er wahrscheinlich auch von seiner Haushälterin 😊“
Julia Beatrice Fruhner „Danke für die Tipps, ich sehe, ihr versteht das Problem😊“
Julia Beatrice Fruhner „@S.K.:, Wasser predigen und den Wein selbst saufen?“
J.K. „Jule. Biete ihm an, was ihr im Schrank habt. Er ist doch da, um euch kennenzulernen, wie ihr zu hause seid, um die passende Rede zu halten. Jetzt kriegt ihr eine gesund-òko-ansprache fettreduziert. Macht heiße Schokolade mit Sahne dazu… Genuß soll doch auch mit dabei sein.“
J.K. „War er jetzt schon da? Und gabs die sünden aus der geheimen schublade?“
Julia Beatrice Fruhner „Jetzt bist du aber neugierig geworden. Er wollte vor acht Minuten da sein. Ist aber mit dem Rad unterwegs…“
J.K. „Dann erst mal ne große Apfelschorle“
Julia Beatrice Fruhner „Update: Gemüsesticks mit dip sind gut wegschnabuliert worden, ebenso die Körnerkekse. Die Genusskekse mit dicken Schoko-Nuss-Stücken wurden verschmäht. Und wir haben jetzt jede Menge geistige Nahrung durchzukauen 😊“

 

In den drei Jahren nach der Hochzeit verfolgte ich das Bloggen nicht weiter. Die Gründe zu nennen, damit würde ich an dieser Stelle tatsächlich die Grenze zur Privatsphäre überschreiten. Kurz gesagt hängte ich mich in meine Arbeit und verfolgte mit Mitte 30 Ziele, die mir perfekt erschienen: eigenes freistehendes Haus, irgendwann mal eine Führungsposition – solche Dinge. Mein frischgebackener Mann Nils und ich träumten – und wir gaben Träume auf.

Zur Ergänzung des Textes: Hochzeitsporträt.

So perfekt ich nach außen erscheinen wollte, so unrichtig fühlte es sich in meinem Inneren an. Das Leben verordnete mir eine Auszeit, in der ich unfassbar viel lernte. In dieser Zeit sortierte ich auch mein berufliches Leben neu und ergänzte meine journalistische Ausbildung um eine Weiterbildung. Sie half mir, mich digital aufzustellen – denn um mich herum begann sich die Art wie wir arbeiten sehr stark zu verändern.

In dieser Zeit wurde ich wieder ans Bloggen herangeführt. Mein Dozent verordnete es uns als praktische Übung im Onlinemarketing. Er gab uns auf, eine Nische zu suchen, deren Zielgruppe dann stringent mit Long-tail-Keywords bedient wird, bis wir bei Google auf der ersten Seite und dort möglichst ganz oben in den nicht-bezahlten Suchergebnissen erscheinen. Das war 2016 und unsere Nischen waren goldig. Es gab einen Blog über das Trainieren von Hunden und einen anderen über das Flirten. Sogar einen Feuerspucker hatten wir dabei.

Ich selbst optimierte auf die Keywords Osterdeko selbst basteln und hatte nach einem halben Jahr konsequentem Nischenbloggen erste Kooperationsanfragen und Affiliateumsätze. Ende des Jahres 2016 merkte ich, dass ich bei Googles Programm Blogger nicht mehr glücklich war und wechselte selbstgehostet zu WordPress. Eine Weile führte ich unter meinem zweiten Namen Beatrice als Bea Creative die Themen DIY, Minimalismus und Reisen auf einem Season Blog zusammen, schrieb also im Kreislauf der Jahreszeiten.

Die Priorität lag auf meinem neuen Vollzeitjob, der mir viel abverlangte. Ich bloggte mehr für mich selbst. Kehrte zurück in die Zeit, die ich eingangs beschrieben habe: Als Blogs noch Web-Logbücher waren – auf Webseiten geführte und damit öffentlich einsehbare Tagebücher oder Journale, in denen Aufzeichnungen geführt und Gedanken niedergeschrieben wurden.

Der Umzug auf die neue Domain JuliasJourneyz.com, verbunden mit einer Fokussierung auf Reisen und Minimalismus, erfolgte Ende 2019. Inzwischen war ich im neuen Job routinierter geworden. Ich merkte, wie gut mir das Reisen – auch die Vor- und Nachbereitung – tat, wenn es darum geht, abzuschalten und wieder neue Energie für meine Aufgaben zu sammeln. Nebenbei half mir die Beschäftigung mit dem Thema Minimalismus, mich auf wenige Interessen zu reduzieren statt nach ganz viel ungeordneter Zerstreuung zu suchen.

Von da an öffneten sich die Türen: Mein Instagram entwickelte sich gut und kontinuierlich. Ich nahm an Reiseevents teil und hielt sogar meinen ersten eigenen Vortrag, für den ich tolles Feedback erhielt. Das bestärkte meinen Wunsch, den Blog zur Nebentätigkeit auszubauen. Und kick-ass, das setzte ich auch in die Tat um:

Inzwischen lebe ich einen konsequenten und fokussierten Lifestyle. Bis März 2021 habe ich Vollzeit in der Unternehmenskommunikation eines Bildungsträgers gearbeitet, danach reduzierte ich meine Arbeitszeit um 20% auf 32 Stunden, um Freiheit zu gewinnen. Freiheit von überkommenen Strukturen und Zwängen und Freiheit für mein Leben, so wie ich es leben will. Denn wir haben ja nur eins. In mein Leben neben der 4-Tage-Woche gehört für mich: Reisen, Beobachten, Fotografieren und dann auch wieder zu Hause arbeiten, aufschreiben und online stellen – immer in bester Gesellschaft von meinem Mann Nils und meinen Katzen Jewel & Starrynight.

Fazit: Von meinem ersten zaghaften Blog auf Facebook 2013 über meine erste eigene Website 2016 bis heute – 2022 – war es also ganz und gar kein gerader Weg. Aber am Beginn des neuen Jahrzehnts freue ich mich darauf, wohin mich meine Journeyz führen werden. Wo ich 2030 mit dem Reiseblog stehe, dafür kann ich mir nur Ziele setzen, aber nichts erzwingen. Irgendwann einmal möchte ich mindestens ein Jahr lang ununterbrochen reisen. Wie bei Meike Winnemuth, mit der 2012 mein erster bewusster Kontakt zu Reiseblogs entstand, liegt dann Vor mir die Welt.

Schön, dass du dabei bist und mich begleitest –
schreibe mir gern auch von deinen Erfahrungen mit verschlungenen Wegen im Leben
und viel Spaß mit meinem Reiseblog.

Deine Julia Beatrice

 

P.S. Meike Winnemuth ist übrigens mittlerweile sesshaft geworden. Sie besitzt ein Haus in Schleswig-Holstein und veröffentlichte ihr Buch „Bin im Garten“.