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Ein minimalistisches Mindset

Zum Trendkonzept des Minimalismus, das bereits schon wieder als Lifestyle für Rich Kids kritisiert wird, gibt es viele Meinungen. Hier findest du meine:

Als ich anfing, in meinem Leben weniger statt mehr zu wollen, ging ich von dem Gedanken aus, dass ich seit dem Zeitpunkt meiner Biographie grundsätzlich alles aus mir selbst schöpfen kann. Materieller Besitz garantiert immer nur einen kurzen Glücksmoment – bis das neu gekaufte Kleidungsstück schon wieder langweilig geworden ist oder man sich an den breiteren Fernsehbildschirm gewöhnt hat. Ich denke, dass viele Menschen etwas kaufen, um ihre Zeit auszufüllen und damit auch eine gewisse Leere zuschütten wollen, die sie verspüren.

Als ich meine berufliche Karriere aufbaute, führte jedoch auch ich über in ein Leben, dass sich aus extrinsischer Motivation speiste. Der Unterschied zwischen intrinsischer und extrinsischer Motivation liegt auf der einen Seite in einem inneren Bedürfnis, etwas zu erreichen, um dadurch Zufriedenheit und Erfüllung zu finden. Wenn es auf der anderen Seite darum geht, Geld zu verdienen, etwas zu besitzen oder im Vergleich mit anderen besser abzuschneiden („Mein Haus, mein Auto, mein Boot“ – „MEIN Haus, MEIN Auto, MEIN Boot“), dann handelst du extrinsisch motiviert. Viele halten mittlerweile die Motivation, die von innen kommt, für wichtiger.

So geht es auch mir. Während ich beobachte, dass viele in meinem Umkreis weiterhin nach Zerstreuung suchen, beim Shoppen oder bei Netflix und in einer sich immer höher schraubenden Spirale von materiellen Ansprüchen, habe ich mittlerweile keinerlei Problem mehr damit, ein ganzes Wochenende zu Hause und in der Natur um unser Dorf herum zu verbringen, Sport zu machen, Dinge auszusortieren und meine Erinnerungen an viele viele Reisen und andere Lebenserfahrungen zu dokumentieren. Ich habe tausende von Fotos, aber auch niedergeschriebene Erinnerungen – und dann noch meine Bücher und Filme. Es würde reichen, sie alle noch mal zu lesen, nochmal zu schauen, kein Kindle-Download wäre mehr notwendig. Ich weiß nicht, wie lange ich mich noch mit dem beschäftigen kann, was hinter mir liegt. Aber momentan reicht es, meine Zeit auszufüllen.

Wenn ich also etwas Neues will – einen materiellen Gegenstand kaufen, ein neues Interessensgebiet erkunden oder eine Veranstaltung besuchen, die mir neue Themen und Menschen zuführen wird – dann halte ich heute immer inne und frage mich: Brauche ich davon wirklich mehr? Immer häufiger gelingt es mir, dann abzusagen oder etwas nicht zu kaufen und gedanklich wieder zu dem zurückzukehren, was ich habe. Um damit meine Zeit zu füllen.

„Eines Tages musst Du aufhören die Bücher anderer Menschen zu lesen, um Dein eigenes Buch zu schreiben.“ Mit diesem Zitat von Albert Einstein will ich nicht ausdrücken, dass ich gar keine Bücher mehr lese. Sondern dass ich den Blick nicht aufs Äußere, dafür nach innen richte. Das hilft beim Reduzieren von materiellen Dingen und der Fokussierung auf den Moment. Dies wiederum führt dazu, die Augen zu öffnen für die Natur, ihren ewigen Kreislauf und das Wesentliche in dieser Welt – das nicht das Haus, das Auto, das Boot, die Armbanduhr, der Pool oder der Thermomix ist.

Reisen sind auch etwas Materielles
Das stimmt. Besonders Flugreisen richten unseren Planeten nicht weniger zugrunde als die Herstellung von Kleidung, Autos oder Lebensmitteln. Deswegen verstehe ich Reisen nicht nur im klassischen Sinn. Mir geht es ganz klar auch um Alltagsfluchten, auf denen Erinnerungen entstehen, mit deren Verarbeitung ich mich wieder eine Weile beschäftigen kann. Die in Alltagsphasen dazu führen, wieder mit weniger auskommen zu können. Deshalb gibt es diesen Blog Julias Journeyz. Hinzu kommt: Was ich erfahre, Informationen und Fotos, kann ich archivieren, brauche aber keinen Platz dafür, wie man ihn zum Beispiel für ein Fotoalbum oder ein Fotobuch bräuchte.

Wie geht es dir mit dem Thema Minimalismus?
Setzt du dieses oder ein ähnliches Konzept um?
Dann teile es mit anderen in den Kommentaren.

 

Deine Julia Beatrice

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