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Minimalismus Challenge // #11 Der minimalistische Kleiderschrank

Sonne satt und endlich konstante 20° Celsius – Zeit, den Kleiderschrank auszumisten und dabei die Sommerklamotten hervorzuholen. Im Corona-Lockdown trennten sich viele Menschen von ihren Sachen, weil sie zu Hause bleiben müssen und überflüssige Dinge stärker auffallen. Geht es dir auch so?

Wenn du dich bisher noch vor dem Ausmisten deines vollen Kleiderschranks gedrückt hast, dann habe ich heute in meiner Minimalismus Challenge ein unschlagbares Konzept für dich. Neben dem Bücherschrank ist der Kleiderschrank etwas, woran die meisten Menschen denken, wenn sie ausmisten möchten.

Nach zwei Jahren konsequentem Minimalismus im Umgang mit dem Thema Mode habe ich meine Klamottenwahl inzwischen so gut organisiert, dass nur noch kleine und zeitsparende wie auch günstige Handgriffe notwendig sind, um meine Garderobe wieder aufzupeppen.

Dabei helfen mir feste Termine im Kalender, an denen ich im Herbst und im Frühling den Schrank einmal ausräume, ausmiste und wieder strukturiert einräume. Im Beitrag Wie du anfangen kannst, minimalistisch zu leben, beschreibe ich die Hacks genauer.

 

Stelle deine eigene, limitierte Kollektion zusammen – für jede Saison

Darüber hinaus habe ich mein Mindset umgestellt und begriffen, dass ich besser mit wenigen Basics leben kann, die mir gut stehen als mit ausgefallenen Trend-Teilen, die ich spannend finde – aber nie trage. Mal Hand aufs Herz: Wenn du nicht gerade als Moderedakteurin arbeitest oder in einem Beruf mit Repräsentationspflichten, dann sind Basics die beste Wahl für den Griff in den Kleiderschrank, zumindest unter der Woche und fürs Büro.

Um nicht wertschätzende Textilproduktionsbedingungen zu bekämpfen, hat sich in den letzten Jahren das Konzept der Capsule Wardrobe bewährt. Der Begriff leitet sich von der Capsule Collection ab, einem Begriff aus der Modeindustrie, der eine einmalig produzierte und limitierte Kollektion beschreibt. Die Capsule Wardrobe ist folglich eine Garderobe, die saisonal auf drei Monate begrenzt ist und alles bietet, was wir in dieser Zeit benötigen: nichts Überflüssiges, aber auch nicht zu wenig. Alle Teile sind gut kombinierbar.

 

Zur Ergänzung des Textes. Einzelnes T-shirt hängt an der Wand.

Die Capsule Wardrobe ist ein unschagbares Konzept für den minimalistischen Umgang mit Mode.  © Photo by Cristofer Jeschke on Unsplash

 

Nach diesem Konzept, dass in den Siebzigern von der Londoner Boutique-Besitzerin Susie Faux, entwickelt wurde, gehören in die aufs Minimalste reduzierte saisonale Garderobe lediglich 37 Teile. Ausgenommen sind natürlich Unterwäsche und Socken. Auch Taschen, Schmuck, Accessoires, Bademode und Sportkleidung können behalten werden.

In die Capsule Wardorbe integriert werden hingegen:

  • Jacken
  • Pullover
  • Tops
  • Hosen
  • Röcke
  • Kleider
  • und – ja seufz – auch Schuhe

 

Die Capsule Wardrobe: so geht es konkret

Die Gesamtzahl 37 teilst du nun in verschiedenen Kategorien: 9 Schuhe, 15 Oberteile, 9 Unterteile, 2 Kleider und 2 Jacken. Du kannst die Gewichtung individuell anpassen. Mir geht es zum Beispiel so, dass ich Kleider nicht auf der Arbeit anziehe. Deswegen addierte ich die 2 zu den Unterteilen, insgesamt also 11 Hosen/Leggins und Röcke.

Ganz wichtig, damit die Garderobe minimalistisch bleibt und nicht wieder ausufert: Pro Saison – also alle drei Monate kaufst du vier bis acht Teile, die neu in den Kleiderschrank kommen. Am Ende jeder Saison können beliebig viele Stücke in die Auswahl der kommenden integriert werden, der Rest wird bis zum nächsten Jahr weggeräumt. Neues darf nur gekauft werden, wenn Altes weggegeben oder besser: gespendet wird.

 

Der richtige Zeitpunkt zur Umstellung auf die neue Saison

In den Geschäften wird die Mode für die neue Saison nach meinem Geschmack jeweils viel zu früh eingeräumt. Und inzwischen produziert die Industrie nicht nur für die warme und die kalte Jahreszeit, sondern will häufiger Trends einführen, damit wir auch häufiger Textilien kaufen. Da hilft nur: austricksen. Ich sortiere meinen Kleiderschrank immer im März/April, sobald ich das Gefühl habe, dass die warmen Sachen nun wirklich ausgedient haben. Das ist jedes Jahr leicht unterschiedlich.

 

Zur Ergänzung des Textes. Die Autorin mit ihrer Nichte, sie probieren Handyfilter aus.PIN IT!

Dabei mache ich direkt eine Bestandsaufnahme für den Sommer – und stelle häufig fest, dass ich neue Sommersachen gar nicht brauche. Blusen, T-Shirts und Urlaubsklamotten sind wirklich zahlreich vorhanden – ich muss sie nur mal wirklich anziehen 😊

Deshalb widme ich mich im Frühjahr eher dem Thema Unterwäsche, Schlafwäsche, Sneaker, Sneakersocken, Sportklamotten, Badesachen und Trends beim Sommerschmuck, schreibe mir hierfür eine Wishlist und kaufe dann nach festgelegtem Budget in den folgenden Wochen.

Hier nutze ich gern die verkaufsoffenen Sonntage, weil es an diesen oft hohe Rabatte gibt und ich mit meiner Nichte Spaß beim Shoppen habe.

Die letzten Teile für den Sommer kaufe ich im August – schon für das Jahr darauf, denn zum Ende der Sommerferien ist alles unschlagbar günstig.

 

 

Anfang September lege ich alle Klamotten für Temperaturen über 30° Celsius wieder nach hinten, mische dafür ein paar Hoodies und Longsleeves dazu und werfe einen Blick auf meine Wintersachen, die mich im Zweifelsfall bei Minusgraden schützen müssen. Oft stelle ich hier den größten Kaufbedarf fest, leider sind Winterklamotten aber auch am teuersten. Der Parka, die Boots und hochwertige Pullover – das geht ins Geld. Deswegen sortiere ich warme Sachen nur sehr ungern aus, und wenn, dann gebe ich sie grundsätzlich an Sammelstellen für ärmere Menschen und Obdachlose.

Wenn ich mir neue Wintersachen zulege, dann nie im Oktober, sondern immer am Black Friday oder nach Weihnachten bis Februar. Ein unschlagbares Konzept für den Geldbeutel, aber ein wenig Disziplin ist schon nötig.

Am Wochenende der Zeitumstellung mache ich es mir immer zum Ritual, den Schrank auszuräumen, zu entstauben und neu einzuräumen, um neben dem Waschen auch für eine gute Wäschehygiene zu sorgen. Die zusätzliche Stunde, die wir an dem Wochenende geschenkt bekommen, ist mir sehr wertvoll, denn oft wird dann nicht nur im Schrank, sondern auch in den hintersten Ecken des Schlafzimmers dem Staub der Garaus gemacht.

Ich hoffe, ich konnte dich inspirieren,
bewusster mit deinen Klamotten umzugehen
und damit zu deinen nachhaltigeren Textilkäufen beizutragen.

 

Viel Spaß dabei!
Deine Julia Beatrice

Comments
  • Maria Richter-Nordahl

    Dannn werde ich jetzt mal zählen ;). Aber ich bin vermutlich die Frau mit den wenigsten Klamotten im Kleiderschrank und meine Sachen sind z.T. (weit) über 10 Jahre alt! Gerade habe ich einen Rock über ebay-Kleinanzeigen verkauft, der 20 Jahre alt ist :). Trends mache ich nicht mit, sondern kaufe nur das, was mir steht!

    • Julia
      Maria Richter-Nordahl

      Hallo Maria,

      das klingt total vorbildlich 👍
      Die Strategie, Trends aus dem Weg zu gehen, bewährt sich wirklich. Oft verkümmern die Teile in der hintersten Ecke des Schrankes, was – gerade bei unfairen Produktionsbedingungen – nicht sein muss.

      Danke dir und liebe Grüße
      Julia